Vera Gold - Autorin und Künstlerin - Geschichten und Gedichte, Fotos und Videos mit Text und Musik


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Cybergirl








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Cora surfte gelangweilt durchs Internet und besuchte ihre Lieblings-Kontaktbörse. Es gab eine neue Nachricht in ihrem Postfach: "Hallo, mit Interesse habe ich dein Profil gelesen und möchte gerne wissen, wer sich dahinter verbirgt.
LG Paul."
Der Mann in ihrem Alter schaute nett aus und sie schickte ihm sofort eine Antwort und ihr Foto, dass sie im Profil nicht zeigen wollte.
Die nächsten Tage wartete sie vergebens - es kam keine Antwort. "So ein Arschloch", schimpfte sie. "Warum hat er nicht den Anstand zu sagen 'Sorry, aber du bist nicht mein Typ'?"

Tagelang ärgerte Cora sich über Paul. Nicht, weil sie ihm auf dem Bild anscheinend nicht gefiel, sondern weil er einfach abgetaucht war. Sie empfand es rücksichtslos und feige.
Sie stellte ein neues Profil mit einem am PC angefertigten Foto ins Internet. Es zeigte eine Frau mit langen, dunklen Haaren, auf ein Sofa drapiert und mit einem herzigen Ausschnitt, der den Ansatz ihrer Brüste andeutete. Die Augen schauten leicht von unten hinauf in die Kamera und ein leichtes Lächeln umspielte die vollen Lippen.
Jetzt hieß es abwarten und schauen, ob der Vogel Appetit auf den Wurm bekam.
Gleich am nächsten Abend fand Cora einige Nachrichten in ihrem Postfach. Bei "Frischfleisch" stürzten sich sämtliche Teilnehmer auf ein Profil. Auch Paul schickte ein paar Zeilen. Sie schrieb eine nette Antwort zurück und hoffte, er würde sich wieder melden.
Aufgeregt las sie einen Tag später seine neue Nachricht, in der er ein wenig mehr von sich erzählte.
In den folgenden Mails heizte Cora ihm solange ein, bis endlich die Frage nach einem Treffen kam. Ihre Plaudereien via Mail waren eindeutig gewesen. Paul wollte seine Angebetete unbedingt persönlich kennen lernen. Cora jubelte und bestellte ihn für 22 Uhr zum Personaleingang des Möbelhauses in dem sie arbeitete. Pünktlich klopfte es an der Tür. "Paul, bist du es?", fragte Cora.
"Ja, ich bin es."
"Drehe dich bitte mit dem Rücken zur Tür und mache die Augen zu. Du darfst noch nichts sehen."
Vorsichtig öffnete Cora und schaute nach, ob Paul alles richtig machte. Er durfte sie nicht zu früh erkennen, sonst wäre das Spiel vorbei, bevor es richtig begann.
Paul hatte sich abgewandt. Cora holte ein Seidentuch aus ihrer Hosentasche und verband ihm die Augen.
"Hey, was hast du vor?"
"Lust auf ein Spielchen?" Coras Stimme klang belegt. Leicht schmiegte sie ihre Brüste an seinen Rücken.
Paul nickte und seufzte. Cora nahm seine Hand und führte ihn durchs Möbelhaus direkt in die Schlafzimmerabteilung. Sie drückte Paul auf ein Bett und machte es sich auf seinem Schoß bequem.
"Geht dir das zu schnell?", hauchte sie an seinem Ohr.
Paul schüttelte den Kopf und Cora knöpfte sein Hemd auf. Als er an ihr fummeln wollte, schob sie seine Hand fort.
"Nicht so schnell. Zuerst verwöhne ich dich. Zieh deine Hose aus. Ja, genau so. Nun lege dich aufs Bett."
Sie beugte sich zu ihm und streichelte ihn langsam und zart. Seine Brustwarzen zogen sich zusammen und sie sah, wie eine Gänsehaut seinen Körper überzog.
Cora nahm Pauls Hände und führte sie über seinen Kopf an die Stäbe am Kopfende des Bettes und befestigte sie mit den bereitgelegten Handschellen. Bevor er protestieren konnte, küsste sie ihn leicht auf die Wange und streifte mit ihren Haaren über seine Haut. Ihre Hände wanderten über die behaarte Brust, umkreisten seine Brustwarzen, fingerten am Bauchnabel, strichen über die behaarten Beine - nur das aufstrebende Körperteil ließ sie aus. Paul stöhnte und wand sich unter ihren Händen. Sie streichelte mit ihren Haaren über seinen Körper und flüsterte ihm ins Ohr: "Lauf nicht weg, ich komme gleich wieder". Sie glitt an seinem Körper entlang und stand langsam auf.
"Wo gehst du hin?", fragte Paul.
"Ich möchte mich noch etwas frisch machen." Cora grinste und legte einen Zettel neben ihn auf das Bett.

Am nächsten Morgen stand Cora extra früh auf. Als sie am Möbelhaus ankam, standen bereits ein paar Leute vor dem Schaufenster und lachten - die einen verschämt, die anderen schadenfroh. Cora drängte sich an die Scheibe. Paul lag noch im Bett, ohne Tuch vor den Augen, rot im Gesicht und zwei Polizisten bemühten sich, dem zappelnden Mann die Handschellen zu lösen. Zu komisch, wie winzig und mickrig Paul dort lag in seiner jämmerlichen Nacktheit. Sie musste auch lachen. Sie sah, wie er ihren Zettel in die nun freien Hände nahm, auf dem stand:
"Du bist leider nicht mein Typ!
CYBERGIRL."


© Vera Gold

Lippenblütler – erotische Mutmaßungen
Projekte-Verlag
(August 2007)
ISBN 978-3-86634-381-8


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