Daheim & Dorfidylle
Das kleine Wort
Am Morgen macht' ich auf das Tor
um den Kater rein zu lassen
doch was anderes saß davor
ich konnte es kaum fassen
Es fror so arg, das kleine Wort
was passiert ist, wollt' ich wissen
man schickte es tatsächlich fort
hat es einfach rausgeschmissen
Ich ließ es ein, das arme Wort
was sollt' ich mit ihm machen
vielleicht ist es ein Zauberwort
wir lassen's erst mal krachen
Das letzte Wort, das ist es nicht
es wird schon jemand'm missen
drum geht er fort der kleine Wicht
vergiss nicht schön zu grüßen
Unheimliche Nacht
Heute Nacht da wurde ich wach
von einem ungeheuren Krach.
Es kratzt, es knuspelt und es scharrt.
Wer mich da wohl wieder narrt?
Ich bin so müd, doch ich steh auf,
mit dem Schlappen haue ich drauf –
an die Wände, an die Decke:
„Viech, du elendes – verrecke!“
Lege mich nun wieder schlafen,
verzähle mich noch bei den Schafen.
Wieder kratzt es an der Decke,
unters Betttuch ich mich verstecke.
Es hört nicht auf, wird immer schlimmer.
Was ist es nur? Hab keinen Schimmer.
Ist es ein Marder oder ne Maus?
Ich will schlafen, knipse das Licht aus.
Der Morgen graut, der Spuk ist vorbei.
Im Moment ist mir das einerlei.
Bin so müde von zu wenig Schlaf,
wenigstens ist das Hundili brav.
Das große W
Das große W wollt' nicht ans Wort,
drum lief es heute heimlich fort.
Ein Abenteuer wollt' es erleben
und hat sich auf die Such' begeben.
Das ünsche ließ es eiskalt stehen,
erhörte nicht sein bittend Flehen.
Es zog es in die weite Welt.
Wollt' bleiben dort, wo's ihm gefällt.
Mal lief's nach rechts, auch mal im Kreis,
es ruhte aus im Tannenreis.
Wo sollt' es hin, so ganz allein?
Wollt' doch mit jemand zusammensein.
Da traf es auf ein traurig Wort.
Es jammerte: mein W ist fort.
Das traf sich gut, hier wollt' es bleiben,
ganz nah an ünsche stehenbleiben.
Ein kleiner grüner Hüpfer
Ein kleiner grüner Hupfer
springt von Blatt zu Blatt
kleine sandige Tupfer
macht er einfach platt
Als es ihm wird kühler
hüpft er woanders hin
seine langen Fühler
streckt er zur Sonne hin
Krabbeldikrabb Krabbeldikrabb
Ein Knistern und ein Scharren,
lässt mich im Bett erstarren.
Krabbeldikrabb Krabbeldikrabb
Was ist es nur, was weckt mich hier?
Wird es wohl sein ein fieses Tier?
Krabbeldikrabb Krabbeldikrabb
Schau’ untern Schrank und finde nichts,
ich hab’ geträumt, viel Lärm um nichts.
Krabbeldikrabb Krabbeldikrabb
Ich leg mich in mein Bettchen rein….
ja soll denn das ein Witzchen sein?
Krabbeldikrabb Krabbeldikrabb
Wieder dieses Kratzen, Knabbern,
vor Schaudern fang ich an zu sabbern.
Krabbeldikrabb Krabbeldikrabb
Den Latschen nehm’ ich, hau’ drauf los
da kenn ich nix, bin rigoros.
Krabbeldikrabb Krabbeldikrabb
Ah, es ist still, ich hops’ ins Bett,
mach’s mir unter der Decke nett.
Krabbeldikrabb Krabbeldikrabb
Wie von fern da hör ich's kratzen.
Ich bin kurz davor zu platzen.
Krabbeldikrabb Krabbeldikrabb
Krabbeldikrabb Krabbeldikrabb
Huhnjagd
Ein kleiner Plausch mit Nachbarsfrau,
ich ahne nichts vom großen Gau.
Mein Hund ist weg, wo ist er nur?
Ich suche ihn, verfolg die Spur.
Ich seh ihn laufen, er jagt ein Huhn.
Oh Gott, oh Gott, was soll ich tun?
Gleich hinterher, ist ja nicht schwer.
Das mach ich doch noch nebenher.
Doch die zwei sind furchtbar schnell,
ich höre nur noch ein Gebell.
Hinter Häusern, über Wiesen,
und ich kriege wieder Krisen.
Schon treibt der Hund nen Schabernack,
das Huhn macht nur noch Ga gack gack.
Doch plötzlich ist es totenstill,
ich geh mal schaun, auch wenn ich nicht will.
So viele Federn liegen dort,
oh welch ein unglücksel’ger Ort.
Doch das Huhn, wie schön, es lebt,
es atmet, schaut mich an und bebt.
Ich heb es hoch, in meinen Arm,
es ist ganz knuddelig und warm.
Es ist das Huhn der Nachbarin,
wir gehen auch sofort zu ihr hin.
Das Huhn ist ne Erfahrung reicher,
ich dafür aber sehr viel bleicher.
Mein Hund kann sich so gar nicht trennen,
möcht mit dem Huhn gern weiter rennen.
Jetzt ist genug, mir ist so warm,
ich klemm den Hund mir untern Arm,
denn ich will einfach nur noch heim,
um dann zu schreiben diesen Reim.
Traummann gefunden
Manche haben schon lang einen,
andere dafür aber keinen.
Ich wollt' auch nicht länger warten,
drum schritt ich aus zu neuen Taten.
Ich kann mir schließlich keinen backen,
auch nicht aus 'nem Päckchen packen.
Drum tat ich dies und machte das,
und hatte eine Menge Spaß.
Auch Ninja freute sich schon sehr,
und fragte sich: Wer wird ihr Herr?
Hektisch rannte sie hin und her,
das machte mich nervös, gar sehr.
Es hat geklappt, im alten Jahr.
Ist das nicht einfach wunderbar?
So lang' schon hatte ich es vor,
nur fehlte manchmal der Humor.
Endlich war die Tat vollbracht,
wir sahen uns an und haben gelacht.
Er schaut mich an mit braunen Augen,
ich kann es immer noch nicht glauben.
Da steht er nun, der gute Mann,
sieht mich mit großen Augen an.
Das hätt' er sicher nicht erwartet,
dass Neujahr so gut für ihn startet.
Sein Lächeln hat mich gleich verzückt,
Mensch, Junge, machst mich schier verrückt.
Ein bisschen kühl ist seine Haut,
doch aus den Augen Wärme schaut.
Ein wenig zu klein ist er auch,
dafür hat er 'nen dicken Bauch.
das kann mich aber nicht verdrießen,
wenn wir den Bund fürs Leben schließen.
Wahre Schönheit kommt von innen,
darauf will ich mich besinnen.
Er ist so wunder-wunderschön,
ich lasse ihn nie wieder geh'n …
Weberknecht
Eine Spinne will noch bleiben,
lässt sich einfach nicht vertreiben.
Man nennt sie schlicht den Weberknecht.
Ein schlanker Körper, gar nicht schlecht.
Lange dünne Spinnenbeine.
Kennt ihr die, die ich meine?
Sitzt an meinem Fenster dran.
Ich pack sie ganz gewiss nicht an.
Schnell ein Tuch aus dem Bad geholt,
die Spinne ist auf Aussitzen gepolt.
Jetzt hol ich eine Fliegenklatsche,
sie soll mir helfen aus der Patsche.
Ich stups' die Spinne vorsichtig an.
Und was macht der Spinnenmann?
Dreht sich um und läuft hinunter
am Fensterrahmen flott und munter.
Eine Gänsehaut zieht über'n Arm.
Nein, jetzt kenn ich kein Erbarm'.
Gebe ihr 'nen ordentlichen Schubs,
Sie fällt zurück, ich sage: ups.
Fast wäre sie auf mich gefallen,
kann sich aber an die Gardine krallen.
Doch nun genug: das Spiel ist aus,
mit einem Wisch fliegt sie hinaus!
Freundschaft
Niemand freut sich so wie du
Niemand hört mir so gern zu
Niemand ist so tolerant
Niemand quengelt so charmant
Niemand ist so liebevoll
Niemand so wenig anspruchsvoll
Niemand hat so viel Geduld
Niemand trägt so wenig Schuld
Niemand ist so treu ergeben
Niemand kann so schnell vergeben
Niemand stört den Lebensbund
Mit meinem besten Freund und - Hund
Der Käfer
Da wundert sich der Hund:
Es krabbelt was im Gras.
Das wird ihm bald zu bunt.
Ja, was ist denn das?
Er robbt sich langsam ran
und sieht es genau an.
Ein Käfer ist es, schaut.
Nimmt die Pfote und … haut.
Der Käfer ist nun platt,
und liegt ganz traurig da.
Der Hund ist auch ganz matt,
weil es so anstrengend war.
Ein Westie frech und keck
Ein kleiner Westie frech und keck,
der buddelt gern im großen Dreck.
Schwarz um Nase und an Pfoten,
versucht er nun mich auszubooten.
Um ein Bad kommt er nicht herum,
das gibt ein rechtes Gaudium.
Er schüttelt es aus, das ganze Nass,
jetzt ist auch Frauchen pitschenass.
Das Trockenrubbeln findet er doof,
da rennt er lieber in den Hof.
Kann im Gras sich rubbeln trocken
das Frauchen schaut ihm zu - erschrocken.
Jetzt ist der Hund wieder voll Dreck.
Frauchen schimpft und ach du Schreck:
Nun muss der Hund nochmals ins Wasser,
da wird doch gleich seine Nase blasser.
Er wollte sich nur parfümieren,
das ist doch so wie abfrottieren.
So richt er gut und wird auch trocken,
nur das Frauchen ist erschrocken.
Meditation
Vera lernt heut meditieren.
Sie will einiges aktivieren
und liest in einem schlauen Buch.
Jetzt kommt also der erste Versuch:
Schöne Musik macht sie sich an,
die wirkt fast so wie Baldrian.
Setzt sich auf ein großes Kissen,
und probiert nun aus ihr Wissen.
Doch ihr kleiner Ninja-Hund,
läuft sich fast die Pfoten wund.
Was macht Frauchen denn für Spiele?
Vera scheucht sie in die Diele.
Setzt sich aufrecht, ganz beherzt,
obwohl ihr davon der Rücken schmerzt.
Hände auf den Knien ganz locker,
da kommt schon wieder der kleine Rocker.
Leckt an Frauchens Fingern herum.
Denkt: das ist ein tolles Gaudium.
Vera entnervt: So geht das nicht.
Sie die Meditation erst mal unterbricht.
Vertrockneter Knoblauch
Die Vera kauft heut wieder Knoblauch.
Sie braucht nicht viel, nur einen Hauch.
Es gibt ihn nur im Dreierpack,
viel zu viel für ihren Geschmack.
Was macht sie nur mit all den Zehen?
Das Aroma wird bald vergehen.
Ruckzuck sind die Knollen trocken,
der Verkäufer wird frohlocken.
Muss sie bald dann neuen kaufen,
das ist doch zum Haare raufen.
Wie kann man ihn haltbar machen?
Geht doch auch mit anderen Sachen?
Wer von euch hat einen Tipp?
Der kriegt auch einen feinen Dip.
Jeder Rat ist ihr willkommen,
wird dann unter die Lupe genommen.
Kratzmausjagd
Die Vera findet keinen Schlaf,
kann nicht träumen von ihrem Graf.
Immer wieder dieses Kratzen,
wie mit riesengroßen Tatzen.
Nachts ist alles gleich viel lauter,
auch der Lärm von dem Klabauter.
Sie ihm nun den Kampf ansagt,
da er sie schon genug geplagt.
Hund und Katze schau’n nach ihr,
wie sie aufspür’n will das Tier.
Denken sich: das schafft sie nie.
Eher schießt sie sich ins Knie.
Da kennen sie ihr Frauchen schlecht,
wenn es auch zählt zum schwachen Geschlecht.
Sie nimmt den Schlupp und schlägt ihn fest,
in Richtung dieser Beulenpest.
Und eins und zwei und drei und vier,
schlägt sie nach diesem Nagetier,
das dort wütet in der Wand -
Vera ist außer Rand und Band.
Hechtet hin und hechtet her,
ihr Pantoffel ist nicht schwer.
Irgendwann wird es wohl sein,
dass wieder kehrt die Ruhe ein.
Der Igel
Ein Igel läuft im Trippelschritt,
Mal eben durch den Garten.
Mein kleiner Hund, der geht gleich mit,
Will spielen, kann’s kaum erwarten.
Es springt auf meinen Hund ein Floh,
so schnell kann man nicht schauen.
Es kratzt und juckt an seinem Po,
nun ist er abgehauen.
Der Bauer sucht sein Huhn
Der Bauer sucht sein Huhn,
es ist neu und kennt sich nicht aus.
Was soll man da nur tun?
Immer wieder nimmt es Reißaus.
Er läuft ihm nach, es flattert fort,
den langen Weg bis zu den Scheunen.
Der Bauer sucht mal hier, mal sucht er dort.
Das Huhn geht derweil munter streunen.
Er findet's nicht und über Nacht,
bleibt es draußen, das arme Huhn.
Immer wieder gebe ich acht,
doch in der Nacht werde auch ich ruh’n.
Am nächsten Tag vergessen schon,
dass das Huhn ist entfleucht.
Doch im Garten auf Tauchstation,
hat es Ninja am Zaun aufgescheucht.
Mit gackern sucht es nun das Weite,
rennt lärmend und flatternd über die Wiese.
Das dumme Huhn, das vermaledeite,
bringt mich wieder in eine Krise.
Ninja ist kaum aufzuhalten,
Ich ruf geschwind die Nachbarin.
Denn Ninja will's zu gern behalten,
die kleine Abenteurerin.
Die Nachbarn rufen laut und suchen.
Das Huhn hat sich sehr gut versteckt.
Der Bauer beginnt ganz leis zu fluchen
was könnte er tun so im Affekt?
So hat das Huhn noch seine Freiheit,
momentan herrscht eine Ruh'.
Wieder eine dörfliche Begebenheit,
das nächste Mal erzähl ich von 'ner Kuh.
Festtagsschmaus
Pellkartoffeln,
dicke Stoffeln,
schneide ich in Scheiben fein.
Saure Gurken,
kleine Schurken,
schnippel ich in Stücke klein.
Gekochte Eier,
zwei flotte Dreier,
sollen auch nicht sein allein.
Mayonaise –
nein, kein Käse,
mische ich auch mit hinein.
Alles mischen
und dazwischen,
trinke ich ein Gläschen Wein.
Ins Wasser ich schmeiß,
damit sie heiß -
zwei Würstchen müssen es sein.
Würstchen mit Senf,
Löwensenf,
treiben Tränen in die Augen rein.
Das ist ein Schmaus,
Applaus, Applaus.
Hier ist das Gedicht nun aus.
Lust und Frust
Zum Schreiben hab’ ich keine Lust –
nein, ich habe keinen Frust.
Probiere hier, probiere dort,
lösche nur in einem fort.
Heute will’s mir nicht gelingen.
was soll’s dichten auch schon bringen?
Wen interessiert’s, wer liest das schon,
meiner Worte Illusion?
Ich hock’ mich hin, ich quäl mich ab,
sage mir: papperlapapp.
Irgend jemand liest es schon,
das reicht doch an Motivation.
Ich streng’ mich an, hab’ neue Ideen,
und bin bereit es anzugehen.
Zeile um Zeile schreibe ich auf,
nun bin ich wieder obenauf.
Schreibanfall
In meinem Zaubergarten, inmitten der Natur,
überfallen mich Gedanken, so massiv und pur.
Schnell den Stift und her das Papier,
das schreibe ich auf, jetzt und hier.
Es drängt aus mir raus, ich wundere mich.
die Gedanken kommen sehr eindringlich.
Ich verlasse den Garten und geh zum PC,
dort schreib ich es nieder und jubel: juchhe!
Schon gestern, schaukelnd in der Hängematte,
in der ich lag als Leseratte,
sprangen mich Gedanken an,
wie Rudi, dieser Blödian.
Auch ihn hab ich verewigt im PC,
das tut ihm schließlich gar nicht weh,
habe schnell alles niedergeschrieben,
bevor die Ideen werden fortgetrieben.
Eine Kuh auf Tour
Von der Kuh will ich erzählen,
der Bauer muss sich wieder quälen.
Aus dem großen Stall soll sie raus,
in dem sie steht tagein, tagaus.
Sie wird kalben, in Kürze schon.
Damit das geht ohne Aggression,
muss sie in einen anderen Stall.
Das geht nicht ab ohne Krawall.
Kaum ist sie draußen, an der Luft,
empfängt sie ein berauschender Duft.
Das frische Grün des Grases lockt,
sie schnell über die Straße bockt.
Der Bauer sie kaum halten kann,
lässt los den Strick und dann -
springt die Kuh übern Zaun geschwind,
ganz schön behände, dieses Rind.
Die Nachbarin trifft fast der Schlag,
was ist denn das nur für ein Tag?
Der Zaun ist kaputt, das sieht sie gleich,
das war aber nicht der einzige Streich.
Nun sitzen die Hühner ganz ungeniert,
in ihren Beeten, sehr interessiert.
Die Blumen stehen nun kopflos herum -
für mich ist das ein wahres Gaudium.
Krea-Chaos
Stunde um Stunde liege ich wach.
Einfach nur so, nicht durch einen Krach.
Viele Ideen spuken durch meinen Kopf.
Ist es dann Tag, pack ich sie am Schopf.
Im Haushalt wird nur das Nötigste gemacht.
Das hält mich nicht auf, das wär doch gelacht.
Schnell noch zum Einkauf, denn Essen muss sein,
sonst gehe ich kläglich wie eine Primel ein.
Das Krea-Chaos im Haus sich verteilt,
immer wieder eine Idee mich ereilt.
Mein Gemüt ist dabei offen und heiter,
es treibt mich immer weiter und weiter.
Viele Stunden arbeite ich am PC,
vom vielen Sitzen tut der Popo schon weh.
Mein Ischias nervt und die Hitze wallt,
im nächsten Moment ist mir schon wieder kalt.
Sitz ich mal nicht, schlepp ich Dinge durchs Haus,
bis die Zunge mir hängt aus dem Halse heraus.
Fotos brauche ich von vielen Sachen.
Dabei muss ich ganz fürchterlich lachen.
Weil ich so krabbele auf dem Boden herum,
gut dass ich habe kein Publikum.
Still und leise arbeite ich vor mich hin,
neue Ideen kommen mir in den Sinn.
Hundert Dinge möchte ich gleichzeitig tun,
es bleibt keine Zeit um mich auszuruhn.
Die Zeit verfliegt, im Nu ist wieder Nacht.
Doch habe ich heute eine Menge vollbracht.
Der rasende Gaul
Nebenan auf der Wiese stand ein Pferd,
das fand ich schon ein wenig verkehrt.
Es wollte meist von meiner Wiese fressen,
das fing bald an mich gewaltig zu stressen.
Über den Zaun streckte es weit den Hals,
doch das mochte ich keinesfalls.
Der ganze Zaun war schon verdrückt,
der schöne Maschendraht - ich wurde verrückt.
Mein Vermieter konnte es nicht mehr hören,
wenn ich erzählte vom Zaun zerstören.
Und schaute ich mal länger nicht hin,
da war der Gaul schon im Garten drin.
Übern Zaun gesprungen, schien wohl ganz leicht,
und ich dachte bei mir - so es reicht!
Überall rumgetrampelt, Blumen angefressen,
das Pferd erschien mir fast wie besessen.
Nicht ausgelastet und noch sehr jung,
es brauchte einfach mehr Ablenkung.
Es wurde verkauft an eine Mädchengruppe
für sie ist das Pferd das Salz in der Suppe.
Ich hab meine Ruh, der Zaun ist hinüber,
aber es geht nicht mehr drunter und drüber.
Zwei Minipferdchen grasen noch dort,
nun fühl ich mich wie in einem Ferienort.
Gartenzeit
Ein Hauch von Frühling, zu früh im Jahr,
doch ich finde es wunderbar.
Stiefmütterchen habe ich gepflanzt
und im Sonnenschein getanzt.
Der Körper schmerzt, die Seele lacht,
mein Zaubergarten aufs Neue erwacht.
Blaue Blütenkelche nicken mir zu.
Ich genehmige mir eine Stunde Ruh'.
Neue Kraft geschöpft pack' ich es an,
wühle in der Erde, so gut ich es kann.
Der Wind, er bläst und wirft mich fast um,
ich pflanze tapfer mein Basilikum.
Eine Boe staubt mir Erde ins Gesicht,
das bringt mich aus dem Gleichgewicht.
Ich falle um, es schmerzt der Po,
ich höre die Trompeten von Jericho.
Doch ich gebe nicht auf, ich buddle weiter,
was ich alles schaffe, das macht mich heiter.
Müde, verkrampft und völlig verdreckt,
falle ich gesäubert halbtot ins Bett.
Die Nacht ist kurz, ich hüpf aus dem Bett,
ab unter die Dusche und ich bin adrett.
Wieder steht ein Gartentag bevor,
aus bleibt auch heute mein Monitor.
Ich zähle die Wolken, die Schäfchen am Himmel
und denke plötzlich an ... ach du lieber Himmel.
Auch heute wird's keinen Regen geben,
schon gar nicht in meinem Seelenleben.
Der Schornsteinfeger
Heute wird es ein glücklicher Tag,
denn am heutigen Donnerstag,
kommt der Schornsteinfeger her,
gleich ein zweiter kommt hinter ihm her.
Sie wollen kehren den Kamin,
auch in den Keller müssen sie hin.
Sie trampeln hier und poltern da,
mein Hund freut sich über das Trara.
Doch plötzlich - was ist das für ein Krach?
Was machen die denn unter dem Dach?
Ich ahne Schlimmes, geh ins Wohnzimmer rein,
ich glaube es nicht, das kann doch nicht sein:
Das Ofenrohr das zum Kamin hinführt,
es steht nicht mehr, wie vom Donner gerührt,
über dem Sofa liegt es nun quer,
und alles schwarz, ich kann ja nicht mehr.
Die schwarzen Männer sollen Glück mir bringen,
jetzt darf ich erst mal den Staubsauger schwingen.
Vielleicht kommt das Glück ja später daher?
Wer weiß, wer weiß, von irgendwoher.
Idee verloren
Ich sitze auf dem Sofa und esse ein Ei,
da kommt plötzlich eine Idee vorbei.
Schnell spring' ich auf und fange sie ein,
stecke sie in meine Hosentasche rein.
Das Telefon klingelt: wer stört denn jetzt?
Meine Stimme klingt auch leicht abgehetzt.
"Frohe Ostern" wünscht mir meine Mutter.
"Danke, Mama, sonst ist alles in Butter."
Ob der Störung höre ich mich fluchen,
wo soll ich jetzt meine Idee nur suchen.
Gerade war sie noch da, nun ist sie fort,
ohne ein einziges Abschiedswort.
Vielleicht bringt irgendwann eine Fee
mir wieder meine schöne Idee.
Derweil setze ich mich in den Garten
und werde auf neue Ideen warten.
Das alte Bauernhaus
Alt und grau stehst du am Hang,
langsam geh ich den Weg entlang.
Man sagt, du bist denkmalgeschützt,
da frag ich mich, ob das was nützt?
Die Fassade aus Holz schon verwittert,
Deine Mauern aus Stein sind zerknittert.
Trauer liegt in Deinem Blick.
Worin siehst Du noch Dein Glück?
Wie lange noch werd' ich Dich seh'n,
bewundernd vor Deinem Anblick steh'n?
Nah am Verfall, wer weint um Dich?
Wo ist der Eigner, wer kümmert sich?
Viele Augen sollten Dich seh'n.
Doch dafür muss etwas gescheh'n.
Im Museum, da wär's schön für Dich.
Dann besuch' ich Dich und freue mich.
© Vera Gold