Der Staubsaugervertreter
Es ist herrliches Wetter heute. Noch nicht zu heiß und ich nehme mir vor, endlich mein neues Beet im Garten anzulegen. Ich grabe, pflanze, laufe hin und her und sehe, wie am Wendeplatz für den Milchwagen ein dunkelblauer Audi parkt.
‚Könnte ein Vertreter sein’, überlege ich. Ich möchte sowieso etwas trinken und gehe mit meinem Hund ins Haus.
Von meiner Küche aus kann ich die Straße überblicken, die zum Dorf hinaufführt. Aus dem übernächsten Haus kommt ein etwas dicklicher Mann und schlurft zu meinem Nachbarhaus.
‚Na, dem kann man auch im Gehen die Schuhe besohlen’, kommt es mir in den Sinn.
Wie ich es schon geahnt habe, er kommt auch zu mir, nachdem ihm dort niemand geöffnet hat.
Ich habe die Küchentüre geschlossen, damit mein Hund das Klingeln nicht hört. Nach zweimal Klingeln gibt der Mann auf. Ich kann sehen, wie er aus dem Vorhaus geht. Was macht er denn jetzt? Er geht doch tatsächlich um das Haus herum in den Garten. Das ist doch wohl eine Frechheit. Hat er mich vorher etwa schon gesehen? Egal, es bleibt eine Frechheit.
‚Hoffentlich habe ich die Terrassentüre zugemacht. Nicht dass er plötzlich hinter mir steht und mir auf die Schulter tippt’, überlege ich.
Nach einer Weile kommt er zurück und geht zum Gartentor hinaus. Was heißt gehen? Er zockelt behäbig davon.
Jetzt kann ich wieder ungestört an meinem Beet arbeiten. Nach einer Stunde ist es geschafft und ich freue mich, wie schön das Beet nun ausschaut.
Am Abend, es ist fast 20.15 Uhr und ich möchte mir einen Film im Fernsehen anschauen, klingelt es. Wer ist das denn? Ich öffne die Türe und erstarre. Da steht doch tatsächlich der Vertreter vom Nachmittag.
„Guten Tag, ich komme von …“
„Ich habe keinen und ich brauche keinen Staubsauger“, schneide ich ihm gleich das Wort ab, bevor er mir einen längeren Vortrag hält. „Sie können mich auch gleich aus Ihrer Liste streichen. Sie sind schon der Dritte in diesem Jahr.“
„Ja, aber wenn ich doch ...“
„Sollte ich jemals einen Staubsauger haben wollen, dann weiß ich auch, wie ich ihn bekomme.“
„Dann müssen Sie aber über die Zentrale und ...“
„Das macht nichts, das bekomme ich schon hin.“
Er brummelt noch einiges und ich gebe Widerworte. Dann sieht er wohl ein, dass er keine Chance bei mir hat.
„Na dann, einen schönen Abend.“
Ich weiß gar nicht, ob er mir wirklich einen schönen Abend gewünscht hat. Ich war so aufgebracht, dass spät am Abend zur besten Sendezeit ein Vertreter an meiner Türe klingelt.
Vielleicht sollte ich mich bei der Zentrale beschweren. Bekomme ich dann ein Staubsauger-Trostpflaster? Dann hätten die Vertreter auch Grund, mich regelmäßig zu besuchen, um mir die Staubbeutel zu verkaufen.
© Vera Gold