Im Baumarkt
Ich brauche eine Arbeitsplatte in den Maßen 190 x 50 cm und fahre zum Baumarkt. Nahe am Eingang, direkt neben einem roten Auto, das nicht auf einer gekennzeichneten Parkfläche steht sondern auf der Fahrspur, parke ich. In dem Auto sitzen zwei oder drei Männer.
Schwungvoll gehe ich die paar Stufen in den Baumarkt und genauso schwungvoll komme ich nach knapp zehn Minuten wieder heraus. Unterm Arm trage ich eine Leimholzplatte, die viel größer ist als ich.
Die Männer im roten Auto sind noch da und schauen dumm. Zuerst auf die Platte unter meinem Arm (ging gerade so, bei 60 cm wäre es knapp geworden) dann auf mein Auto. Dann wieder auf meine Platte und wieder auf mein Auto. Sie erzählen sich irgendetwas und ich wüsste zu gerne was.
Ich stelle die Platte aufrecht auf meinem rechten Fuß ab, damit sie nicht auf dem Boden schmutzig wird, und klicke mit dem Schlüssel meinen Nissan Micra auf. Ich öffne die Heckklappe und drehe mir die Holzplatte so zurecht, dass sie mit einem Ende im Kofferraum liegt. Einen Teil der Rückbank habe ich schon zuhause umgeklappt und die Hutablage in der Garage deponiert.
Ich schiebe die Platte schräg ins Auto hinein bis sie fast am Armaturenbrett liegt. Gucken die Männer noch? Ich weiß es nicht, ich sehe sie wegen der Holzplatte nicht.
Vorsichtig ziehe ich die Heckklappe herunter. Nein, es passt noch nicht. Ich ruckele noch ein bisschen an der Platte herum – vorsichtig, damit der Autohimmel nicht zerreißt – und ziehe dann die Heckklappe ins Schloss. Fertig.
Schwungvoll erklimme ich meinen Sitz. Schade, dass ich nicht nach rechts in die Männergesichter sehen kann, da nimmt mir leider die Platte die Sicht. Ich muss mich bis zum Steuerknüppel runterbeugen, damit ich nach rechts schauen kann. Macht nix. Die Parklücke vor mir ist frei – juchhu – so dass ich nicht rückwärts rangieren muss.
Zack, wupp, weg.
PS.
Die Männer haben ja nicht gewusst, dass ich zehn Zentimeter von der Platte habe absägen lassen. Ich glaube, 200 cm hätten schlecht ins Auto gepasst.
© Vera Gold