Vera Gold - Autorin und Künstlerin - Geschichten und Gedichte, Fotos und Videos mit Text und Musik


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Im Kaufland








Im Kaufland



Jedes Mal an der Kasse die gleiche blöde Frage: „Hat alles gepasst?“ und jedes Mal die gleiche blöde Antwort von mir: „Ja, danke.“ Oder so ähnlich.
Okay. Die MitarbeiterInnen wollen nur nett und höflich sein. Aber mich nervt diese ewige Nettigkeit.
Warum sage ich eigentlich immer „Ja“, wenn ich auch „Nein“ sagen könnte?
Alle Leute an der Kasse sagen „Ja.“ Ich habe noch keinen diese Frage verneinen hören. Passt bei denen immer alles? Das kann ich mir fast nicht vorstellen.
Das nächste Mal, habe ich mir vorgenommen, werde ich sagen was mir nicht passt.
Sie gehen nämlich wieder zur Neige, meine Spülmaschinentabs. Und da es bei den Discountern nur noch die 3-Phasen-Tabs gibt und ich nur 2-Phasen-Tabs brauche, kaufe ich sie im Kaufland. Eigentlich bräuchte ich wegen unseres weichen Wassers nur 1-Phasentabs. Gibt es aber gar nicht mehr. Jedenfalls nicht dort, wo ich einkaufe.
Man hat mittlerweile alles zusammen in einem Tab: Reiniger, Klarspüler und Salz. Das ist sicher ganz praktisch. Dieses Salz ist bei uns im Bayerischen Wald aber nicht erforderlich, weil das Wasser sehr weich ist.
Das habe ich auch nicht gewusst, bis meine Gläser matt wurden. Korrosion nennt man das. Kaputt, das Glas. Müll.
Seitdem kaufe ich die, auch wesentlich preiswerteren, 2-Phasentabs.
Und die stehen, wie alle anderen preiswerten Produkte auch, ganz oben in den Regalen.
Gaaaanz oben. Und was heißt das für mich? Genau, ich komme da nicht dran.
Ich kann mich recken und strecken, das ist ja eh gut für die Wirbelsäule, aber es reicht nicht.
Nur meine Fingerspitzen erreichen das untere Ende des Kartons. Wenn ich dann lange genug porkele, dann verschiebt sich der Karton auf dem Regal bis hin zum Absturz und ich kann ihn auffangen.
Vielleicht sollte ich besser mit Pumps einkaufen gehen? Im Sommer kein Problem. Dann stöckele ich die rollende Treppe hinunter und nehme mir ganz elegant mit einem leichten Schwung aus der Hüfte heraus mein Paket aus dem Regal. Neben mir steht mein Märchenprinz und schaut mich mit offenem Mund an …
Und was mache ich im Winter? Mit Pumps? Nee, dann werde ich ganz sicher aus dem Bayerischen Wald ausgewiesen, wenn ich bei 150 cm Schnee in Pumps durch die Gegend laufe. Oben hui in der dicken Jacke, unten pfui mit zierlichen Schühchen.
Es wäre ja kein Problem, wenn irgendwo ein Höckerchen oder eine kleine Leiter stehen würde, so wie im Baumarkt. Da schwinge ich mich dann hinauf und erreiche leicht meine Beute.
Ich muss stattdessen immer wildfremde Leute ansprechen. Verkäufer sind ja auch selten da, wenn ich sie brauche. Einmal stand zum Glück ein Pärchen in der Nähe und ich habe sie angesprochen, ob sie mir helfen könnten. Da griff die Frau mit einer Leichtigkeit an mir vorbei ins Regal und schwups, schon hatte ich mein Paket. Bevor der Mann überhaupt reagieren konnte. Er war aber auch etwas kleiner als sie. Vielleicht hat er die gleichen Probleme wie ich und nimmt deshalb seine Frau zum Einkaufen mit.

Wenn mich beim nächsten Einkauf die Kassiererin fragt: „Hat alles gepasst?“, dann sage ich „Nein.“
Sie wird sicher verdutzt sein. Oder gar nicht reagieren, weil sie nicht auf diese Antwort programmiert ist. Ob sie mich fragt oder nicht, ob sie es wissen will oder nicht, ich sage ihr meine Meinung.
Vielleicht gibt es dann am Eingang ein Leiterchen für kleine Leute zum Mitnehmen.

Apropos Eingang. Genau! Diese Bügeltüren, oder wie immer man sie nennt, gehen immer viel zu langsam auf.
Gestern bin ich auch wieder gegen einen doppelten Bügel gelaufen, der sich in der Mitte teilt und dann nach links und rechts aufschwingt und ich wie eine Königin in der Mitte hindurchgehen kann. Wenn er denn schnell genug aufgeht. Bei mir ging er nicht schnell genug auf. Ich bin dagegen gelaufen, musste nachhelfen und habe etwas dagegen gedrückt. Wirklich nur ganz leicht, mehr als Reflex, weil mich etwas am Gehen hinderte.
Dadurch habe ich aber wohl irgendeinen Alarm ausgelöst – jedenfalls hupte es plötzlich hinter mir wie bei der Alarmanlage eines Autos. Tapfer und als wenn ich nichts gehört hätte, bin ich weitergegangen. Es hupte und hupte. Hilfe, wie peinlich.
DAS werde ich der Kassiererin auch sagen, wenn sie wieder fragt: „Passt alles?“
Das passt mir gar nicht, dass diese Bügeltür so langsam aufgeht, dass ich stehen bleiben muss. Das behindert mich bei meiner Einkaufskreativität und ich vergesse die Hälfte.
Dann komme ich gleich automatisch in die Kategorie der Konsumverweigerer. Und das ist wohl weder in meinem Sinne noch im Sinne des Geschäftsinhabers.


© Vera Gold



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