Junks. Junks.
Ich schreibe … schreibe … schreibe … und kann mich nicht von der Tastatur lösen.
„Junks. Junks!“
Ninja junkst. Sie möchte auch nach oben, da wo ihr Frauchen ist. Immer noch stehen die Werkzeugkoffer auf der ersten Stufe der kleinen Treppe. Damit habe ich ihr den Zugang zur großen Treppe zur zweiten Etage verstellt. Die stehen dort, seit ich Ninja ganz zu Anfang unserer Lebensgemeinschaft, fröhlich arbeitend, in einem der Katzenklos gefunden habe.
„Junks. Junks!“
„Ich komme gleich, Ninja. Nur eben noch … schreib, schreib.“
Und immer wieder fällt mir etwas Neues ein … schreib, schreib.
„Junks. Junks!“
„Jaaaaa!“
Ich muss eben noch etwas korrigieren … schreib, schreib.
„Junks. Junks!“
„Einen Moment noch!“
Dreizehn Momente später: „Junks. Junks!“
Endlich bin ich fertig. Nur noch eben ins Internet und ins Forum laden.
„Junks. Junks!“
„Bin gleich fertig, Ninja!“
„Junks. Junks!“
„Verdammt noch mal, GLEICH, Ninja!“ – Rabenfrauchen! So mit dem Hund zu schreien!
Ah, jetzt ist Ninja ruhig. Sie spielt bestimmt mit ihrem Spielzeug, oder kaut auf ihren unzähligen Kausachen herum. Vielleicht zieht sie auch die Katze auf dem Läufer liegend durch die Küche. Oder sie liegt auf der Couch und schläft.
Egal – endlich Ruhe. Jetzt kann ich wenigstens noch die Beiträge im Schreibforum lesen.
So – fertig. Ich gehe hinunter. Ninja steht an der Treppe und begrüßt mich. Wieder hundert Jahre nicht gesehen und so stürmisch ist die Begrüßung. Sie muss bestimmt Pipi. Also gehen wir ins Wohnzimmer.
„Aaaaaahhhhh!“
Ich traue meinen Augen nicht! Mein Wohnzimmer ist schwarz (welch eine Abwechslung zu dem ewig weißen Schnee draußen). Aber so was von schwarz. Überall! Auf dem Läufer, vor der Terrassentür, auf dem großen Teppich, auf der Couch, sogar auf dem Couchtisch – alles schwarz. Was ist denn hier passiert?
Was es ist?
Nein, nicht was ihr denkt! Ninja ist sauber. Zu 99,9 % jedenfalls. Die Hand möchte ich dafür aber auch nicht unter ihren Popo halten.
Der neueste Trend im Wohnzimmer: Blumenerde! Überall Blumenerde. Macht sich echt gut auf dem hellem Laminat. Auch auf dem Tisch setzt Blumenerde hübsche dunkle Akzente. Auf der Couch wird sie eher etwas lästig empfunden, aber mit etwas gutem Willen findet man noch ein Plätzchen zum Sitzen.
Hübsch würde es ausschauen, wenn ich im Garten stehen würde. Ich habe eine dunkle Ahnung, was mich dort im Frühjahr erwarten wird. Mein Garten wird ein ganz neues Aussehen finden.
Aber ich stehe in meinem Wohnzimmer. Da gefällt mir die Blumenerde auf dem Boden nicht.
Das ist eine ganz neue Masche von Ninja. Was daran toll ist, die Erde aus den Töpfen zu holen, verstehe ich nicht. Aber ich verstehe sehr wohl, dass ich mich jetzt wieder mit meinem Staubsauger bewaffnen muss.
Also dann: er steht sowieso noch im Nebenzimmer. Ob mein Unterbewusstsein es schon geahnt hat, das bald wieder etwas Dreckiges geschieht?
Während ich vorwärts robbend den Dreck vom Teppich sauge, bahnt sich hinter mir die nächste Sauerei an. Da hat dieses kleine Monster doch schon wieder im Blumenkübel gefischt!
Dabei war es heute noch recht harmlos. Gut sieht es erst aus, wenn das Ganze noch garniert ist mit meinen bunten Wollknäueln, deren Fäden sich durch die ganze untere Etage ziehen. Wouw, das hat was. Und als Sahnehäubchen darauf lauter bunte Papierschnitzelchen. Blumenerde und bunte Farben erinnern mich doch sehr stark an die letzte Gartensaison. Man hole sich einen Welpen … äh … den Frühling ins Haus!
Was für ein Spaß! Und wenn Frauchen dann auf allen Vieren durch die Zimmer robbt, wie gut dass die Treppe noch gesperrt ist, dann kommt erst recht Freude auf. Was für tolle Spiele Frauchen doch kennt!
Seit ich einen Welpen habe, brauche ich mich um meine Fitness nicht zu kümmern. Dafür habe ich jetzt meinen Coach: Ninja – junks junks.
Ach übrigens: während ich obigen Text schreibe, überhöre ich krampfhaft ein Poltern und Rumpeln in der unteren Etage. Ich möchte nicht wirklich wissen, was dort los ist. Ich möchte einfach nur hier sitzen und schreiben.
Irgendwann muss ich aber doch nachsehen. Ich gehe den Geräuschen nach und finde Ninja in der Küche. Meinen Garten-Clog hat sie sich von der Terrassentür geholt und kämpft mit ihm durch die Küche. Es sind schon lauter kleine Löcher in dem Schuh von ihren spitzen Zähnen. Und einmal durch ihren Wassernapf hat sie ihn auch wieder (wieder!!) geschleppt. Das Innenleben braucht nun Stunden zum Trocknen.
Ich bringe den Clog in das Wohnzimmer vor die Terrassentür. Ich drehe mich um und mich trifft fast der Schlag: Mit der Decke, die als Schutz auf der Couch liegt hat sie auch gekämpft. Ein einziges Knäuel ist das nur noch. Das Kissen hat sie besiegt – das liegt erschlagen auf dem Teppich.
…und aus dem Chaos sprach eine Stimme zu mir: „Lächle und sei froh, es könnte schlimmer kommen!“
Und ich lächelte und war froh, und es kam schlimmer …
(Autor unbekannt)
Und jetzt ist es verdammt still im Haus. Zuuuu still….. Ich gehe mal eben gucken.
© Vera Gold