Vera Gold - Autorin und Künstlerin - Geschichten und Gedichte, Fotos und Videos mit Text und Musik


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Ratong








Ratong



Ratong…
Ich bin auf dem Weg zum Einkaufen. Muss ja auch mal sein. Das Wetter ist… naja… Nicht Schnee, nicht Regen – irgendetwas dazwischen.
Ratong…
Das hält ja niemand aus. Ich drehe das Radio lauter. Oh, eines meiner Lieblingslieder.
Ratong…
Ups, jetzt ist meine Stimme in den Keller gesackt.
Ratong…
Das Singen sollte ich besser lassen. Das klingt selbst für meine Ohren recht holperig. Ich singe sowieso nur, wenn ich alleine bin. Aber so etwas Schräges muss ich mir nicht auch anhören.
Ratong…
Wouw, das war jetzt aber echt tief. Ninja ist vom Sitz gerutscht. Sie ist zwar angegurtet, aber trotzdem kann sie vom Sitz rutschen. Vor allen Dingen dann, wenn sie zwischen beiden Vordersitzen steht und nach vorne aus dem Fenster schaut. Alles muss der Hund mitkriegen.
Ratong….
Wieder nicht gesehen. Da stand jetzt aber auch Wasser drin. Muss ich denn vor jeder Pfütze langsam fahren, damit es nicht so plumpst? Ich höre schon das Geschimpfe aus den Autos hinter mir: „Doofe Tussi, zu blöd zum Fahren, oder was? Wasserscheu? Los fahr, Gaspedal ist rechts!“
Ratong…
Das ist aber mein Auto, welches leidet – und ich auch. Das tut mir jedes Mal körperlich weh. Im günstigsten Fall habe ich einen Platten. Besser gesagt: mein Auto. Wenn ich Pech habe einen Achsbruch oder so was. Ich kenne mich da nicht so aus mit den Autokrankheiten.
Mein nächstes Auto sollte besser ein Allrad sein. Etwas Stabiles jedenfalls. Nicht wegen Eis und Schnee. Nein, das schaffen mein Auto und ich auch so. Aber wegen dem…
Ratong…
Schon wiieeeder. So, jetzt abbiegen auf die Hauptstraße. Da wird mir das nicht so leicht passieren. Da fahren so viele Autos, da ist die Straße besser in Schuss.
Ratong…
Unverschämtheit, kann die Gemeinde nicht dafür sorgen, dass die Straßen in Ordnung sind? Was machen die eigentlich mit all den Steuern?
Ratong…
Ups, jetzt hätte ich fast die Frau nicht gesehen, die am Rande der Straße geht. Dabei geht sie schon auf der richtigen Seite. Wo will sie denn hin? Die nächsten Häuser sind weit weg – na ja, cirka ein Kilometer. Aber die Frau ist bestimmt schon siebzig Jahre alt und schleppt sich ab mit zwei Einkaufstaschen. Da ist ein Kilometer verdammt viel. Und sie ist schon eine Weile unterwegs. Ich hätte an dieser Stelle schon Arme, die auch ohne Taschen auf dem Boden schleifen würden.
Ich überlege, ob ich eben anhalte, zurückfahre und die Frau nach Hause fahre. Kostet mich nur ein klein wenig Zeit und etwas Sprit.
Ratong….
Verdammte Scheiße! Jetzt habe ich aber langsam die Schnauze voll! So macht das Autofahren wirklich keinen Spaß!
Die Frau habe ich schon wieder vergessen. Ich will jetzt nur noch eben etwas einkaufen und dann nach Hause. Ich biege auf den Parkplatz vom Supermarkt ein.
Ratong…
Ja, Himmel Herrgott noch einmal, das ist doch Privatbesitz, dürfen die das, einfach so Löcher auf ihrem Parkplatz lassen? Ich geh da jetzt rein und beschwere mich!
Wutentbrannt steige ich aus….und in eine Pfütze, unter der sich ein Schlagloch befindet. Jetzt habe ich auch noch nasse Füße!
Nein, ich will nicht mehr!
Es ist doch jedes Jahr nach dem Winter dasselbe Theater!


© Vera Gold



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