Vera Gold - Autorin und Künstlerin - Geschichten und Gedichte, Fotos und Videos mit Text und Musik


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Rauhnacht








Rauhnacht



Die Nacht legte ihr dunkles Gewand über den Gutshof. Den ganzen Tag hatte es geschneit und eine dicke kalte Watteschicht deckte die Landschaft zu.
Es war eine der Rauhnächte, die letzte und schlimmste vor dem Dreikönigstag.
„Heit' is' d'Rauhnacht!", höre ich die Rufe der Dämonen, Druden, Hexen, Untoten, Schratzln, der Hobergoaß und dem bluatigen Thamerl rufen.
Wie jedes Jahr sind sie wieder in diesen Gutshof eingefallen, haben an die Türe gepocht und lautstark ihre „Kropfa“ gefordert.
Sie kommen aus den dunklen Wäldern des Bayerischen Waldes, aus ihren Höhlen und Schluchten herausgekrochen. Auf dem Waldkirchener Marktplatz wird ein Riesenspektakel veranstaltet, das die Zuschauer das Fürchten lehrt. Um lodernde Feuer tanzen die unheimlichen Gestalten. Am Ende wird mit wildem Geschreie und Kuhglockengeläut das Böse des vergangenen Jahres ins Feuer geworfen und unter Gejohle verbrannt.

Auch ich habe in dieser Nacht ein Feuer am Hofbrunnen entzündet. Alles Böse möchte ich verbrennen, das um mich herum und in mir ist. Im Lichtschein der Flammen tauchen Gesichter auf von Menschen, die mir einmal viel bedeutet haben. Hinein ins Feuer mit ihnen. Alle düsteren Gedanken sollen verbrennen, so dass nur noch die Liebe übrig bleibt. Mit ihr will ich das neue Jahr beginnen.
Hell lodert das Feuer und in dichten Rauchschwaden zieht das Böse zur Geisterstunde in den Himmel.



© Vera Gold



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