Samstag Vormittag
Ich liebe es am Vormittag bei einem Cappuccino meine Tageszeitung zu lesen. Meistens war ich dann schon einkaufen, habe Staub gesaugt oder war mit dem Hund spazieren und mache es mir danach so richtig gemütlich. Kein Freizeitstress oder sonstiger Stress erwartet mich.
So auch an diesem Vormittag. Während ich gerade im Lokalteil der Stadt angekommen bin, klingelt das Telefon.
Entweder klingelt es tagelang nicht oder in einem Moment, wo es mir nicht passt. Gut, gut, ich freue mich ja, wenn mich jemand anruft. Also gehe ich hin und schaue auf das Display.
„Unbekannt“ steht da. Auch das noch. Ich finde es doch sehr angenehm, wenn die Nummer des Anrufenden im Display erscheint und ich dann entscheiden kann, ob ich den Hörer abnehme oder vielleicht besser nicht.
Blitzschnell gehe ich in Gedanken durch, wer mich jetzt anrufen könnte und genauso schnell nehme ich den Hörer, bevor das Gespräch auf dem Anrufbeantworter der Telekom landet.
„Guten Tag. Mein Name ist … blabla … Firma … blabla … sind Sie gerade beschäftigt oder hätten Sie einen kurzen Moment?“
Unhörbar für die Dame am Telefon stöhne ich auf und antworte fast gegen meinen Willen, höflich wie ich bin: „Kurz, ja ...“
Den Namen der Firma hatte ich nicht verstanden. Ich wollte aber auch nicht nachfragen, um das Gespräch nicht unnötig in die Länge zu ziehen. Während ich noch überlege, welche Firma das ist, sagt die freundliche Dame, „Sie haben ein Handy von uns … blabla.“
Aha. Jetzt weiß ich wenigstens um was es geht. Aber über welche Firma habe ich mein Handy bezogen?
„Ich kann Ihnen heute ein tolles Angebot machen. Sie können 500 Freiminuten … blabla … ins Festnetz … blabla …“
„Danke, das brauche ich nicht!“ würge ich den Redeschwall der Dame schnell ab.
„Äh … ja … die Freiminuten sind im Festnetz!“
„Ja, ich weiß schon. Aber die brauche ich nicht. Ich telefoniere eh nicht so viel.“
„Hm!? Sie sind aber schon eine Frau?“
Was soll denn das heißen?
„Ja, bin ich. Trotzdem telefoniere ich nicht so viel. Und wenn, dann benutze ich Call by Call Rufnummern.“
„Immer?“ fragt mich die Dame.
„Ja, konsequent“, sage ich, „ich schalte mir sogar jedes Mal den Videotext meines Fernsehers an und suche mir die günstigste Nummer heraus.“
Ich glaube, das klingt ziemlich merkwürdig, und gleich schicke ich hinterher: „Eine Macke muss schließlich jeder haben!“
„Na, da gibt es schlimmere Macken“, meint die gute Dame.
Finde ich auch. Nämlich die, an einem Samstagvormittag fremde Leute bei ihrer Zeitungslektüre zu stören. Aber das sage ich ihr natürlich nicht.
Wir verabschieden uns nett voneinander und gehen weiterhin unseren Aktivitäten nach.
© Vera Gold